Wenn der Muezzin ruft

Der Muezzin ruft weiterhin zum Gebet, auch in dieser Zeit, in der sich alles derart schnell ändert, daß du mit dem Nachdenken über die Sinnhaftigkeit des alten Zustands gar nicht nachkommst. Er hält fest an der Tradition, d.h. er macht das was andere ihm vorgeben. So auch hier in Kuala Terengganu, ja der Name ist richtig geschrieben, im Osten Malaysias.

Ich frage nun nicht, ob er es lassen sollte, weil sein Rufen nicht mehr Leute in die Moschee lockt ähnlich der Glocken in die Kirche, nein, ich  frage mich, ob er es gut macht.

Und gebe auch gleich die Antwort: das kann man besser machen.

Es geht dabei nicht um den Inhalt, klar, es geht nur um die phonetischen Aspekte. Zum einen haben die Lautsprecher Optimierungsbedarf, zum anderen sollte der Akteur so klingen, als wäre er von seiner Botschaft überzeugt, da müßte mehr Wohlklang in die Stimme, mehr Leidenschaft, der Klangteppich müßte reichhaltiger sein. Nicht so ein monotoner Singsang, ein Mittelding zwischen Sprechen und Singen, manchmal erinnernd an den späten Bob Dylan.

Und wenn dann zwei gleichzeitig rufen, wie letztens, dann ist das bei Leibe kein Ohrenschmaus.

Die Jugend reagiert verstärkt auf Bildreize, da hat es der Islam schwer, er darf keine Bilder zeigen.

Und den weiblichen Muezzin mit der einladenden, hellen Stimme wird es nie geben, da schafft er sich eher selber ab.