Tigernest

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Touristische Attraktionen sollten leicht zugänglich sein, ob mit oder ohne Hilfsmittel, also per Bus, Hubschrauber, Boot, Seilbahn usw. oder zu Fuß, der Pauschaltourist hat nun mal wenig Zeit, sein Programm ist durchstrukturiert, getaktet, da sind Ziele, die nur mit hohem Aufwand, körperlich, zeitlich, zu schaffen sind, nicht mehr vermittelbar. Smart reisen, light reisen ist die Devise, in einem knapp bemessenen Zeitfenster unterwegs sein, ohne viel Aufwand möglichst viele Sehenswürdigkeiten ablichten und abhaken.

Da hat ein Kloster auf 3100 m Höhe wie das Tigernest in Bhutan ohne Seilbahnanbindung und Hubschrauberlandeplatz schlechte Karten, auch wenn es zugegeben einmalig liegt, am Berghang wie ein Adlerhorst im steilen Fels. Um in die erste Liga der Attraktionen im Massentourismusgeschäft aufzusteigen fehlt es an elementaren Voraussetzungen.

Damit müssen die Bhutanis leben, es läßt sich nicht ändern, die Lage ist nun mal so.

Zu verdanken haben sie das dem Guru Padmasambhava, der sich im 8. Jahrhundert auf den Rücken eines Tigers in die Lüfte geschwungen hat und vielleicht unfreiwillig am Berg landen mußte, erst den Tiger zähmte und dann ein Kloster gründete.

Seitdem haben sich viele Gläubige auf den beschwerlichen Weg gemacht, um hoch oben zu meditieren und die Erleuchtung zu finden. Vor den Erfolg haben die Götter den Schweiß gesetzt.

Und in die Schar der Fußgänger reiht sich immer häufiger der interessierte Tourist ein, der sich den Mühen ohne Absicht der Erleuchtung, aber mit Aussicht auf spektakuläre Fotos unterzieht.

Der Fußweg ist nicht ohne. Die erste Hälfte läßt sich auf dem Rücken bergtauglicher Pferde bewältigen. Für die zweite Hälfte solltest du schwindelfrei und mit guter Kondition ausgestattet sein, aber keine Angst, die Wege sind gut gesichert, die spannenden Ausblicke motivieren.  

Die Entwicklung des fliegenden Tigers als  Transportmittel ist noch nicht abgeschlossen. Walt Disney und die Tourismusindustrie arbeiten daran.