Blubber

Da bin ich mitten in der Nacht aufgestanden, kein Kaffee, kein Tee weit und breit, habe mich in einen unbequemen Bus gesetzt, der mich wegen für diese Uhrzeit unzumutbaren Straßenverhältnissen nicht schlafen ließ, nur um in der chilenischen Einöde ein Geothermalfeld zu besichtigen. Und was macht dieses Geothermalfeld alias Mutter Erde: es alias sie blubbert monoton vor sich hin, läßt laut Blasen platzen, rülpst schwarzen Schlamm nach oben, riecht schwefelig aus dem Hals, schießt Dämpfe in die bitterkalte Luft. Und kaum zeigt sich schamhaft der gelbe Planet, der Quell unseres Lebens, am Horizont, da bricht es noch einmal aus dem Innersten mit einer Wahnsinnskraft hervor, ein letztes Aufbäumen, die letzte Attacke gegen den schier übermächtigen Gegner, dann, oh Gott, aus und vorbei, die aufgewühlte, unwirkliche Landschaft beginnt sich langsam zu verändern, Mutter Erde nimmt Ihre wilden Gesellen wieder in den Schoß und zieht sich mit Ihnen zurück –  wie Dracula, der seinen Sargdeckel öffnet, wenn der Tag erwacht.

Dem Menschen hat das wilde Schauspiel Respekt abgefordert, doch nun hat er wieder die Oberhand, ist frech und mutig, traut sich nah ran an die kleinen Krater. Er hat ja was gelernt: wenn das Wasser blubbert, müssen die Frühstückseier rein.
El Tatio, höchst gelegenes Geothermalfeld der Welt (4300 m)

 

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