Heiliger Sankt Jakobus

Selbst dieser Regenschauer biblischen Ausmaßes, dem wir auf der elend langen Fußgängerbrücke vor Santiago de Compostela schutzlos ausgeliefert waren, wohl eine letzte Prüfung, hat uns nicht davon abhalten können, unser Ziel zu erreichen: wir fanden uns auf dem Platz vor der Kathedrale wieder, unter Glockengeläut, die himmlischen Heerscharen gebärdeten sich wie wild, der heilige Jakob lächelte milde.
Jetzt gebt’s mal nicht so an, gab er uns zu verstehen, über 635 km an 32 Tagen auf dem Camino Frances, das haben andere auch schon geschafft, auch in eurem Alter, aber schön daß ihr da seid, nur für euch, sprach er augenzwinkernd, werde ich heute Abend in meiner Kathedrale den Weihrauchkessel so hoch es nur geht schwingen lassen und er wird dampfen, daß es euch Tränen in die Augen treibt.
Und so geschah es dann am Freitag in der Abendmesse. Alle hatten den Eindruck, daß die Männer am Kessel mit besonderer Energie zu Werke gingen und dieser so hoch flog wie nie, dicke Weihrauchwolken zogen durch das Kirchenschiff.
Und ganz ehrlich: es kamen uns die Tränen.