Weltentrückter Friedhof Koyasan

Schon die Anreise nach Koyasan von Osakas turbulentem Unterweltbahnhof Namba ist ein Erlebnis. Die Lokalbahn zuckelt quietschend dahin durch die immergrüne Landschaft aus Bergwald, Reisfeldern, Orangenbäumen mit reifen Früchten.
Nach knapp 2 Stunden erreichen wir Gokourabashi, von dort trägt uns die Seilbahn auf über 800 Meter. Mit dem Bus geht es durch eine tempelgesäumte Straße zur Unterkunft. Die Stimmung ist schon spürbar: ein mystischer Ort, heilig und magisch.
Kein Wunder: im Ort leben 1000 Mönche und im 8. Jahrhundert auch der hochverehrte buddhistische Lehrmeister Kobo Dashi, der immer noch leben soll und dem daher jeden Tag ein üppiges Mahl zubereitet wird.
Er hat auch den Friedhof Okunoin angelegt, der inzwischen 100000 Gräber umfaßt, die meisten Jahrhunderte alt und von einer dicken Moosschicht überzogen.
Darüber wachen wie Wachsoldaten die vielen Tausend Zedern mit ihren mächtigen Baumkronen auf kerzengeraden Stämmen, teilweise
über 50 m hoch.
Besonders in der Früh um 6, wenn der Nebel wabert und die Grabesstimmung verstärkt, die Laternen schwach leuchten, die Mönche ihre Mantras anstimmen, ist die Stimmung unbeschreiblich.
So ein Ort ist unwirklich und wenn überhaupt, dann es kann ihn nur hier geben, in Koyasan im Süden von Osaka.